Porzellan, polychrome Aufglasurfarben, Werkstatt des Johann Gregorius Höroldt, auf der Unterseite der Kumme Marke KPM (Königliche Porzellanmanufaktur Meißen), Meißen, um 1721–1723
Das Tee- und Kaffeeservice besteht aus einer Kaffeekanne, einer Teekanne, einer Spülschüssel und mehreren Koppchen mit Unterschalen. Jedes einzelne Stück ist mit wunderbaren Chinoiserien bemalt. Diese Szenen zeigen chinesisch gekleidete Menschen bei verschiedenen Beschäftigungen: beim Spielen und Musizieren, bei der Falkenjagd, beim Spazieren gehen oder beim Teetrinken. Die Darstellung solcher chinesisch anmutender Szenen auf Porzellan, aber auch auf Möbelstücken, gehörte zur damaligen Chinamode. Und diese wurde von Markgräfin Sibylla Augusta für Schloss Favorite begeistert aufgegriffen.
Möglicherweise war das Service ein Geschenk Sibylla Augustas für ihren Sohn zur Hochzeit im Jahr 1721. Das Service gehört zu den herausragenden Beispielen aus den ersten Jahren der Tätigkeit Johann Gregorius Höroldts in Meißen. Die einheitliche Gestaltung aller Teile kennzeichnet deren Zusammengehörigkeit als sogenanntes „complete Service“. Es wurde als repräsentatives Schaugerät verstanden und genutzt. Damals wurde auch am Rastatter Hof, wie andernorts üblich, im Anschluss an ein Festmahl der Kaffee aus einer silbernen Kanne und Porzellanschalen gereicht.