Markgräfin Sibylla Augusta, die bereits 1707 im Alter von 32 Jahren Witwe wurde, ließ sich nach ihrer eigenen Vorstellung unter der Leitung des böhmischen Architekten Michael Ludwig Rohrer ab 1710 eine kleine Sommerresidenz, das Lustschloss Favorite, in Rastatt-Förch errichten.
Sibylla Augusta, eine geborene Prinzessin von Sachsen-Lauenburg, kam mit kaum 15 Jahren als Gemahlin des "Türkenlouis", Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655-1707), nach Baden. Sie brachte große böhmische Besitzungen mit in die Ehe und ermöglichte auch durch ihren Reichtum den Bau des repräsentativen Rastatter Schlosses. Nach dem Tod ihres Mannes regierte sie zwanzig Jahre lang für ihren zunächst noch unmündigen Sohn. Sibylla Augusta galt als reiche, stolze und fromme Frau.
Ihr Jagd- und Lustschloss liegt idyllisch in einem Wiesengrund und wurde der bevorzugte Sommersitz der kunstsinnigen Markgräfin und ihrer Söhne. Hier wurde der Erbprinz erzogen, hier hielt man Jagden ab und gab festliche Bälle und Konzerte. In diesem Sinn ist Schloss Favorite seinen Vorbildern aus Italien und Frankreich verbunden, hier widmete man sich, fernab der Residenz den fürstlichen Vergnügungen.
Im Inneren des Baus dominiert die zentrale Sala terrena, die durch alle Stockwerke reicht und von einem Kuppelturm gekrönt wird. Der auf den Garten bezogene rechteckige Saal hat einen besonderen Grundriss: vier schräg gestellte Nischen in den Ecken runden ihn ab. In der Beletage ist zu beiden Seiten dieses Zentralraums ein Appartement angeordnet, das neben drei Paraderäumen jeweils auch ein kostbar ausgestattetes Kabinett beherbergt.
In verschwenderischer Fülle sind in allen Räumlichkeiten die im frühen 18. Jahrhundert geschätzten handwerklichen Techniken verwirklicht. Hierzu gehören Böden aus Stuckmarmor, Wände mit Fayencefliesen, reichverzierte Stuck- und Freskendecken, Behänge aus seltenen Stickereien an den Wänden und erlesene Möbel. Schloss Favorite ist ein einzigartiges barockes Gesamtkunstwerk mit einer überreichen Flut an Dekorationen und repräsentiert nicht nur den Geschmack der Fürstin, sondern auch angemessene herrschaftliche Selbstdarstellung.