Das erste Ergebnis bei der Suche nach dem Geheimnis der Porzellanherstellung, das Johann Friedrich Böttger 1710 seinem Auftraggeber vorzeigen konnte, war rotes Steinzeug. Man nannte es „Jaspisporzellan“, denn man konnte es schleifen und polieren, bis es wie ein Edelstein glänzte. Unter dem Motto „gleich einem Edlen Gesteine“ sind in der Ausstellung kostbare Beispiele dieser polierten und facettierten Steinzeuge aus der Favoriter Sammlung zu sehen: Geschenke Augusts des Starken an Markgräfin Sibylla Augusta.
Die nächsten Produkte der Manufaktur waren tief schwarz, gold und leuchtend farbig verziert: Meißen hatte 1710 Steinzeuge im Sortiment, „welche wie die schönste Japanische arbeith lacciret“ waren. Das war die faszinierende Optik der importierten Lackwaren aus China und Japan – heiß begehrt auf dem europäischen Markt. Auch Sibylla Augusta folgte begeistert dieser Mode. In der Ausstellung sind wunderschöne Beispiele von „Schwartz Porcelain“ aus ihrer Sammlung zu sehen, zusammen mit Möbeln und Bildern aus der Produktion der markgräflichen Lackwerkstatt.
Zunächst produzierte die Manufaktur rotes Steinzeug. Als Vorbilder für die Produktion dienten Steinzeuge, die zum Beispiel aus China nach Europa geliefert wurden. „Von dem roten oder braunen Porcellain“: Hier sind in der Ausstellung Stücke präsentiert, die aus dem chinesischen Yixing stammen und genauso von Sibylla Augusta in ihre Sammlung aufgenommen wurden wie die roten Steinzeuge aus Meißen. Eine einmalige Gelegenheit, chinesische und europäische Stücke miteinander zu vergleichen!
Erst ab 1713 setzte sich zunehmend das weiße Porzellan anstatt des roten Böttgersteinzeugs durch. Von dem „guthe weissen Porcellain, sambt der allerfeinsten Glasur“: Bei dieser Station kann man all das, was die allerersten unter der Leitung Johann Friedrich Böttgers hergestellten Porzellane kennzeichnet, an den weißen Meißener Porzellanen der Markgräfin entdecken: die technische Perfektion der Gefäßformen und die filigrane Feinheit der Dekorformen, aber auch die schimmernde Glasur.
Der wichtige Schritt in der Meißener Produktion war der Schmuck der weißen Stücke mit vielfarbiger Malerei. Bewundernswert und immer wieder verblüffend in ihren Einfällen sind die Arbeiten von Johann Gregorius Höroldt: der Meister, dem die Entwicklung der neuen Farbpalette in Meißen gelang. Zu den berühmtesten Beispielen farbiger Dekore gehört sein um 1723 entstandenes Service aus der Sammlung der Markgräfin.
Ein ganz besonderer Dekor von Meißener Porzellan sind die Stücke mit „mit goldenen zierrathen“. Spezialisiert auf solche Malereien waren zwei Augsburger Werkstätten, die Motive von Meißen übernahmen und abwandelten. Heute schwierig: Da das Gold nur ungenügend auf der Glasur haftet, ist der Erhaltungszustand der Goldmalerei nur noch sehr selten gut. Die markgräflichen Kostbarkeiten in Favorite sind einzigartige Spitzenstücke – auch in der Erhaltung.