Die gleichformatigen Kostümbilder im Spiegelkabinett zeigen das badische Markgrafenpaar Sibylla Augusta und Ludwig Wilhelm sowie ihre zwei Söhne in verschiedenen Verkleidungen. Welche Absicht steckt hinter den exotischen Kostümierungen der markgräflichen Familie? Teil der an barocken Höfen so beliebten Maskeraden oder politische Selbstdarstellung? Modeerscheinung mit Hang zu allem Exotischen oder Interesse an der Ferne?
Von den einst über 70 Maskeraden-Bildern sind 56 noch original erhalten. Sie sind sehr fein und detailgetreu mit Wasserfarben auf Pergament gemalt und zeigen die fürstliche Familie als "Türken", "Römer", "Mohr", "Tartar", "Sklavin" und viele Kostüme mehr. Fast alle Kostümbilder besitzen schwarz- oder rotlackierte Holzrahmen, die mit Figuren, Insekten, Vögeln und Landschaften in Gold verziert sind. Der Maler, der die detaillierte Wiedergabe von Mustern, Stoffen, Spitzen und feinen Bordüren meisterlich beherrscht, könnte nach heutigem Forschungsstand Ludwig Ivenet gewesen sein.
Doch gibt es noch viele interessante Fragen, zum Beispiel: Sind die Kostümbilder eigens für das Spiegelkabinett entstanden? Wohl nicht, denn sie wurden noch vor dem Tod des Markgrafen 1707 gemalt. Bereits 1729 werden sie in der „Neuesten Reise durch Teutschland“ von Johann Georg Keyssler als Sehenswürdigkeit im Favoriter Spiegelkabinett gerühmt. Auch das Inventar von 1762 deutet darauf hin: „An den Thüren und gantzen Zimmer befinden sich 70 Stück Maßcaraden, Portraits mit lacquirten Rahmen...“.
Das Schicksal der Kostümbilder in unserer Zeit: 1945 kam ein Teil der Gemälde abhanden. Zehn dieser entwendeten Kostümbilder wurden im Jahr 2000 zur Auktion angeboten. Durch alte Fotos aus den 1930er-Jahren konnte gezeigt werden, dass sie in die Favorite gehören. Dort können sie heute wieder besichtigt werden.