Ein Paar Sakeflaschen
Meißen, 1711-1715, Malerei von Martin Schnell
Böttgersteinzeug, schwarz glasiert, Dekor in Lack- und Goldmalerei
H. 20,2 bzw. 20,7 cm
Aus Schloss Favorite
Martin Schnell (um 1675-um 1740), Hoflackierer Kurfürst Augusts des
Starken, ist nur in der kurzen Zeitspanne zwischen 1711 und 1715 als
Maler an der Meißener Manufaktur nachweisbar. Er gehörte zu den
hochbegehrten Spezialisten, denn er besaß Rezepturen, mit denen auf
faszinierende Weise ostasiatischer Lack imitiert werden konnte. Am
sächsischen Hof war Schnell besonders geschätzt: Im Jahr 1712 erhielt
er mit 100 Talern im Monat das höchste Gehalt des gesamten damaligen
Manufakturpersonals – immerhin das Doppelte des
„Porzellannacherfinders“ Böttger. Dies mag auch ein Licht auf die
Wertschätzung der Materialien Lack und Porzellan werfen: Das Geheimnis
der Porzellanherstellung war durch Böttger gelüftet. Als viel
schwieriger erwies sich die Nachahmung der ostasiatischen Lackarbeiten,
da der Lackbaum als Rohstofflieferant in Europa nicht heimisch war.
Das qualitätvolle Werk Martin Schnells umfasst zum größten Teil mit
Lackmalerei dekoriertes Mobiliar, Aufsätze und andere Zierstücke. Als
Leiter einer Werkstatt in Dresden besaß er eine umfangreiche Sammlung
von Motiven im chinesischen Stil, die er der kurfürstlichen Sammlung
von ostasiatischen Lackarbeiten und Porzellanen entnommen hatte. Dieser
Motivvorrat stand vermutlichen allen Mitarbeitern seiner Werkstatt zur
Verfügung. So erklärt sich die Streuung derselben Motive über
Lackmobiliar und Böttgersteinzeug in unterschiedlicher Qualität.