Die Favorite bei Rastatt ist eines der bedeutendsten deutschen Denkmale aus der Zeit des Barock: Das Porzellanschloss mit seiner Ausstattung und seinen Sammlungen ist fast unverändert erhalten. Der historische Bestand an frühem Meißener Porzellan legt von den ersten 20 Jahren der Porzellan-Fabrikation in Meißen ein beredtes Zeugnis ab.
Die Bauherrin Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden (1675-1733) stand in regem Kontakt zu August dem Starken und orientierte sich beim Bau ihrer Favorite am Japanischen Palais in Dresden. Die Ausstattung entsprach natürlich der neuesten Mode im chinesischen Stil. Daher waren viele Wanddekorationen und Möbel Lackarbeiten:
Die Markgräfin betätigte sich als leidenschaftliche und fachkundige Sammlerin. Sie erwarb asiatisches und europäisches Porzellan, Fayencen und Steinzeug, Statuetten aus Elfenbein und Alabaster, Lackarbeiten und andere Kunstkammerstücke. Sibylla Augustas Sammlung galt schon bei den Zeitgenossen als eine der bedeutendsten ihrer Art und wurde mit den Sammlungen von August dem Starken von Sachsen verglichen.
Bei der Versteigerung der Sammlungen des Markgrafen von Baden 1995 konnte das Land Baden-Württemberg über 100 frühe Meißener Porzellane erwerben, darunter auch „Schwartz Porcelain“: dreizehn Objekte aus schwarz glasiertem Böttgersteinzeug, die ursprünglich von Markgräfin Sibylla Augusta für Schloss Favorite angeschafft worden waren.
Mit dem Begriff "Schwartz Porcelain" wurden im Inventar des Japanischen Palais in Dresden Porzellane und Fayencen mit schwarzen Glasuren und reichem Dekor in Gold- und Lackmalerei bezeichnet. Kurfürst August der Starke von Sachsen (1670-1733) war ein leidenschaftlicher und kompetenter Sammler. In seinem Japanischen Palais präsentierte er nicht nur „Schwartz Porcelain“, sondern auch anderes Porzellan sowie chinesische und japanische Lackarbeiten.
Damit entsprachen Sibylla Augusta und August der Starke dem Zeitgeist: Porzellane und Lackarbeiten waren Objekte der Leidenschaft und der fürstlichen Repräsentation. Sie gehörten zusammen mit Seide zu den wertvollen und geheimnisumwobenen Produkten Chinas und Japans. Diese begehrten Luxuswaren übten im fernen Europa eine große Faszination aus und verliehen fürstlichen Sammlungen einen besonderen Glanz.