Das „Porzellanschloss“ von europäischem Rang

Schloss Favorite Rastatt

Einsiedelei mit Magdalenenkapelle

Die Eremitage

Die Eremitage, französisch für „Einsiedelei“, mit der Magdalenenkapelle liegt abseits der Hauptachse im Schlossgarten Favorite Rastatt. Der frommen Markgräfin Sibylla Augusta diente sie als intimer Rückzugsort für Gebete und Bußübungen. Nur selten sind Gebäude wie dieses erhalten.

Luftaufnahme der Eremitage im Garten von Schloss Favorite Rastatt; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Urheber unbekannt

Die Eremitage.

Religiöses Refugium

Die Eremitage ist ein schlichter Bau, karg und schmucklos und damit ganz das Gegenteil des Schlosses. Das kleine achteckige Gebäude wurde von 1717 bis 1718 von Hofbaumeister Michael Ludwig Rohrer errichtet. Teile der Außenwand sind mit Baumrinde verkleidet, im Innern wird die Rinde mit Malereien an den Wänden imitiert. Einsiedeleien dieser Art sind ein seltenes Zeugnis barocker Frömmigkeit, wie sie auch Sibylla Augusta pflegte. Um zu beten und Buße zu tun, zog sie sich manchmal mehrere Tage lang hierher zurück.

Die Wachsfiguren der Heiligen Familie in der Eremitage von Schloss Favorite; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Die Wachsfiguren der Heiligen Familie.

Die Heilige Familie

Im Innern gruppieren sich sieben kleine Räume um eine zentrale Kapelle. Die Atmosphäre ist mystisch. Große Wachsfiguren mit Kleidern und echten Haaren sind zu sehen. An einem Tisch sitzt die Heilige Familie – Maria, Josef und Jesus im Knabenalter. Überlieferungen berichten, Sibylla Augusta habe sich manchmal für eine karge Mahlzeit zu den Figuren an den Tisch gesetzt.

Der Bautyp Eremitage – in einer Zeichnung von Christian Hirschfeld, 1779, und heute im Garten von Schloss Favorite.

Die Kapelle der Magdalena

Die Kapelle ist Maria Magdalena geweiht. Gelbliches Licht fällt durch die Kuppel in den Raum. Mehrere Gruppen von Wachsfiguren zeigen biblische Szenen von Magdalena und Jesus – von der Salbung in Bethanien bis zu Jesus, der Magdalena als Gärtner erscheint. Das Besondere: Sie trägt die Gesichtszüge Sibylla Augustas! Die liegende Figur des toten Christus unter dem schlichten Altar symbolisiert das Heilige Grab. Nahe ihrer Residenz in Rastatt ließ sich Sibylla Augusta wenig später einen ganzen Zyklus von Kopien heiliger Stätten aus dem Leben Jesu errichten.

Sibylla Augusta und ihr Ebenbild aus Wachs, eine der Figuren der Maria Magdalena.

Die Eremitage im 19. Jahrhundert

Heute ist die Eremitage Zeugnis mehrerer Epochen. Einige Stücke, wie Geißelwerkzeuge und eine einfache Binsenmatte, kamen erst im 19. Jahrhundert hierher. Groteske Gerüchte und Legenden gab es damals um Sibylla Augusta, deren Frömmigkeit man nicht verstand. Auch der berühmte Schriftsteller Mark Twain empfand seinen Besuch in der Eremitage damals als schaurig!

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