Das „Porzellanschloss“ von europäischem Rang

Schloss Favorite Rastatt

Das 18. und frühe 19. Jahrhundert

Stilgeschichte

Die Dekorationen im Innern von Schloss Favorite entstanden von 1716 bis 1729. Sie sind eindrucksvolle Zeugnisse des Spätbarocks. Stil und Motive der Ausstattung unterscheiden sich von Schloss Rastatt, das dem Hochbarock angehörte und als Residenz andere Aufgaben zu erfüllen hatte.

Ansicht der Decke des Grünen Schlafzimmers in Schloss Favorite Rastatt

Die Decke des Grünen Schlafzimmers.

Spätbarock und Chinoiserie

Als Lustschloss diente Schoss Favorite dem Vergnügen und dazu passten gerade die leichten, fröhlichen Dekorationen im Stil der Chinamode. Original asiatisches Kunsthandwerk gehört ebenso dazu wie europäische Stücke im chinesischen Stil, sogenannte Chinoiserien. Deckenfresken und Kaminbretter mit Chinesenfiguren fügen sich nahtlos ein in das europäische „Bandelwerk“ – eine spätbarocke Dekoration aus geschwungenen und geknickten Bändern.

Typisch Sibylla Augusta

Mit den zeitgenössischen Möglichkeiten schuf Sibylla Augusta ihr ganz eigenes Schloss. So entstanden außergewöhnliche Lösungen: Die Heiligenfiguren in der Eremitage bestehen aus Wachs und tragen echte Haare. Die Wände im Schloss sind mit japanischen Figuren, mit Dekorationen aus Papiermaschee oder mit Bildern aus Halbedelsteinen, den Pietra-Dura-Tafeln, verkleidet. Böden schuf man aus Stuckmarmor, den man sonst für Säulen und Altäre verwendete. Modern und zugleich individuell – das ist typisch Sibylla Augusta!

Böden aus Stuckmarmor.

Ansicht des Garten von Schloss Favorite Rastatt; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Der englische Landschaftsgarten.

Ende des 18. Jahrhunderts – ein neuer Gartenstil

Im Anschluss an das Rokoko, das auf das Spätbarock folgte, entwickelten sich Klassizismus und Romantik. Auch in den Gärten wandelte sich der Stil. Der „englische Landschaftsgarten“ verkörperte das Gegenteil des strengen Barockgartens – er sollte „natürlich“ wirken. Allerdings: Auch hier war alles künstlich angelegt. Wie in einem Landschaftsgemälde gruppierte man Büsche, Bäume, Bäche und Wege. Blumen gab es dagegen kaum. Als „Attraktionen“ dienten kleine Tempel oder künstliche Ruinen.

Ansicht des Gartens von Schloss Schwetzingen; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Steffen Hauswirth

Der Schwetzinger Garten.

Englischer Landschaftsgarten

Im Auftrag Karl Friedrichs von Baden-Durlach wurde von 1788 bis 1806 der Garten von Schloss Favorite im englischen Landschaftsstil umgestaltet. Seither gibt es den idyllischen Weiher, den kleinen Wasserfall mit Felsen und die exotischen Bäume. Gartengebäude wurden hier nicht errichtet. Das bekannteste Beispiel für einen englischen Landschaftsgarten in Baden-Württemberg ist der eindrucksvolle Schlossgarten in Schwetzingen. Dort sind beide Gartenstile bis heute deutlich zu erkennen.

TIPP

Alles zur Geschichte des Gartens von Schloss Favorite finden Sie in unserer Ausstellung, der „Gartendokumentation“, in der Orangerie.

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